Zimmerschließsysteme & Versicherungsschutz

ZimmerschließsystemeEin im Türschloss steckender Generalschlüssel verschwindet während der Zimmerreinigung. Der Vorfall wird nicht sofort ausreichend ernst genommen.

 

Im Laufe der nächsten Tage werden fast 30 Zimmer durchwühlt. Schaden: 30 Polizeibeamte betreiben Spurensicherung im laufenden Betrieb…diverse Gäste melden den Verlust von Bargeld, Handys und Notebooks. Da es sich um den Generalschlüssel handelt muss die Schließanlage komplett ausgetauscht werden. Kostenpunkt ca. 20.000 EUR incl. Bewachungskosten für eine Woche.

 

Ähnliches Szenario in Berlin: Etagenschlüssel kommt bei der Zimmerreinigung aus ungeklärten Gründen abhanden – Verursacher ein mit Reinigung beauftragten externen Dienstleister. Dessen Haftpflicht-versicherung taxierte den Wert der betroffenen Schließanlage aufgrund des Alters (ca. 10 Jahre) auf exakt 99 Cent. Kosten der neuen Schließanlage für unseren Mandanten rund 7.000 EUR zzgl. Sicherheitsdienst.

 

Und letzter Fall: einer leitenden Mitarbeiterin wird während eines außerdienstlichen Abendessens die Handtasche im Restaurant gestohlen – Generalschlüssel inclusive … auch hier wieder volles Programm …

 

Nun könnte man mutmaßen, mit der Umstellung auf digitale Zugangssysteme seien alle Probleme gelöst. Auf die soeben aufgezeigten Szenarien trifft dies zwar grundsätzlich zu, jedoch ergeben sich anderweitige Problemstellungen, die uns aus zwei weiteren Schadensfällen bekannt sind:

  • Durch einen Überspannungsschaden in der Schließelektronik wird der Zugang zu allen Zimmern eines Hotels blockiert
  • Im Frühjahr dieses Jahres wurden die Zimmerschließsysteme eines Wiener Hotels von Internetpiraten gekapert und erst gegen Zahlung eines Lösegelds wieder geöffnet.

Nach unseren Informationen haben übrigens beide Hotels wieder auf Zimmerschließsysteme mit herkömmlichen Schlüsseln umgestellt. Man sieht also: hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.

 

Aufgrund der häufig stark einschränkenden Zeitwertentschädigung ist es auch für Pachtbetriebe nicht vorteilhaft, sich ausschließlich auf die Haftpflichtdeckung zu verlassen. Trotzdem ist diese natürlich vorzuhalten um betroffene Gäste zu entschädigen. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, das eigene Interesse (Eigenschaden) über Gebäude- oder Inventarversicherung abzusichern (Neuwertentschädigung). Üblicherweise leisten die jedoch nur für Schlüsselverlust nach versichertem Sachschaden (z.B. Feuer, Einbruch-Diebstahl, Raub etc.). Der Einschluss des einfachen Schlüsselverlusts (Verlieren, Abhandenkommen etc.) wird generell sehr restriktiv gehandhabt und bestenfalls bei hartnäckiger Nachfrage zugestanden. Abgesehen von der richtigen Versicherungssumme (häufig werden Höchstentschädigungen vereinbart) ist dann auf den Einschluss von Nebenkosten wie z.B. Bewachungskosten, Provisorien, Feiertags-/Nachtzuschläge etc. zu achten. Geforderte Obliegenheiten sind konsequent umzusetzen: Führen eines Schlüsselbuchs, in dem jegliche Bestandsveränderungen, namentliche Berechtigungen etc. dauerhaft zu dokumentieren sind.

 

Selbstverständlich stehen uns als Spezialmakler Gebäude-/Inhaltskonzepte, die den einfachen Schlüsselverlust einschließen zur Verfügung. Grundsätzlich greift dieser Versicherungsschutz übrigens auch für digitale Systeme – das Schadenspotential reduziert sich hier aber natürlich erheblich.

Bei der Umstellung auf elektronische Schließsysteme ist neben der physischen Sicherheit darauf zu achten, die finanziellen Folgen bei Störungen durch Cyberangriffe abzusichern. Die Versicherungswirtschaft entwickelt diesbezüglich fleißig Konzepte, die Deckungsinhalte sind dementsprechend sehr unterschiedlich. Neben Sachschäden (z.B. Schließanlage oder IT-Infrastruktur), Wiederherstellung der Daten /Programme und Betriebsunterbrechung sollten Ursachenforschung (Forensik), Lösegeldzahlung, Notfall- und PR-Beratung berücksichtigt sein.

Unabhängig von der Wahl des Schließsystems verbleibt das subjektive Risiko Mensch bestehen. Mitarbeiter sind also dahingehend zu sensibilisieren, Schlüssel-/Kartenverluste umgehend zu melden um notwendige Maßnahmen zeitnah zu ermöglichen. Im Rahmen einer Vertrauensschadensversicherung ist übrigens auch Betrug/Untreue/Unterschlagung/Diebstahl durch Mitarbeiter versicherbar.