Neues Reisevermittlerrecht 2018

Pauschalreiserichtlinie
Zur Stärkung des Verbraucherschutzes, Berücksichtigung von Online-Angeboten und Harmonisierung des Rechts in allen EU-Mitgliedstaaten tritt per 01.07.2018 die überarbeitete EU-Pauschalreiserichtlinie in Kraft.

 

Nicht alles ist Neu – auch bislang galt nach dem Gesetz (§§ 651 BGB) bereits als Reiseveranstalter, wer im eigenen Namen mindestens zwei Reiseleistungen anbietet und von Beginn der Reise an schuldet. Neben der Beherbergung sind drei weitere, ergänzende Reiseleistungen denkbar:

  1. includierte An-/Abreise, sowie Transfers während des Aufenthalts
  2. Vermietung von Fahrzeugen (KFZ, Motorräder)
  3. touristische Leistungen Dritter, wie sogenannte RegionenCards, Benutzung von Freizeiteinrichtungen wie Erlebnisbädern, Schiffsverkehr oder Bergbahnen/Skiliften.

Wenn die über die Beherbergung hinausgehenden Leistungen allerdings keinen erheblichen Gesamtwert am Arrangement besitzen (max. 25%) und / oder kein wesentliches Merkmal der Reise darstellen, würde man nach der neuen Regelung nicht von einer Pauschalreise sprechen. Sobald jedoch Begriffe, wie Pauschale, Package, Arrangement etc. verwendet werden, fällt man unabhängig von der 25%-Regelung automatisch unter die Pauschalreiseregelungen und haftet auch entsprechend.

 

Als Reiseveranstalter schulden Sie die fehlerhafte Erbringung aller vereinbarten (also auch fremder) Leistungen und haften als konkreter und einziger Vertragspartner des Gastes für alle Personen-/Sach- oder Vermögensschäden, die Ihren Gästen durch das Hotel oder eingebundene Dritte entstehen. Auch für eigene oder fremde Buchungsfehler haben Sie dabei einzustehen.

 

Die Haftung als Vermittler verbundener Reiseleistungen unterscheidet sich – zumindest in Bezug auf die Haftung – nach der neuen Gesetzgebung nicht wesentlich von der des Reiseveranstalters. Kennzeichnend für eine Einordnung als Reisevermittler ist ebenfalls die Kombination von verschiedenen Reiseleistungen für eine Reise anlässlich einer Beratung / eines Kontakts und zwar für den Fall, dass der Gast im Zusammenhang mit der Zimmerbuchung bzw. innerhalb von 24 Stunden danach zusätzliche, separate Verträge mit anderen von Ihnen empfohlenen Unternehmen schließt (z.B. vergünstigter Skipass oder Anreise mit der Bahn).

 

Auf gezielte Nachfrage des Gastes nach Anreise vermittelte Zusatzleistungen fallen übrigens nicht unter die zuvor beschriebenen Regelungen.

 

Neu ist ebenfalls, dass vom Gesetzgeber künftig auch für „kleine“ Reiseveranstalter wie Hotels eine Insolvenzsicherung für vor Beendigung der Reise vereinnahmte Reisepreiszahlungen gefordert wird – unabhängig davon ob Pauschalreise oder vermittelte Reiseleistung. Bisher kannte man Sicherungsscheine überwiegend im Zusammenhang mit Flugreisen – nun müssen auch Hotels zwingend einen (Ver-)Sicherungsschein aushändigen, oder dürfen ersatzweise keine Zahlungen vor Beendigung der Reise akzeptieren. Die Masse der Versicherer wird die Insolvenzabsicherung jedoch meiden – erwartungsgemäß werden sich nur  einschlägige Kautions- und Vermögensschadensversicherer dieser Thematik widmen. Dabei wird neben umfassendem Versicherungsschutz auch ein einfaches Handling entscheidend sein.

 

 

So sind eine Reihe von Informationspflichten vor Abschluss der Reisebuchung zu erfüllen. U.a. sind nachweisbar zu kommunizieren:

Je nach Art der Reise ist die Übermittlung gesetzlicher Formblätter vorgeschrieben. Fehler im Procedere mit dem Gast gehen generell zu Lasten des Hoteliers und führen automatisch zu einer Haftung als Reiseveranstalter.

 

Neben Analyse und penibler Dokumentation eigener Geschäfts- und Buchungsvorgänge, Umgang mit den neuen Informationspflichten und Reisepreisanzahlungen ist künftig also auch darauf zu achten, dass der vom Gesetzgeber geforderte Versicherungsschutz vollumfänglich vorgehalten wird.

 

Versicherungsschutz für über die Beherbergung hinausgehende Leistungen wird über Rahmenkonzepte von Hotelmaklern im Rahmen der gesetzlichen Haftung innerhalb empfohlener Betriebshaftpflichtpolicen üblicherweise schon immer vorgehalten – ist aber in Standardpolicen keineswegs selbstverständlich bzw. häufig erheblich eingeschränkt.

 

Unbedingt empfehlenswert ist die Prüfung der bestehenden Haftpflichtpolice  auf den vollständigen Einschluss der Haftung nach aktueller Gesetzgebung:

  • umfassender Einschluss von Reiseleistungen eingebundener Dritter – unabhängig vom Auftreten als Reiseveranstalter oder –vermittler
  • Prüfung der vereinbarten Versicherungssummen für Sach-/Personen- und vor allem Vermögensschäden (vor allem bei Beherbergung von Reisegruppen)
  • Auswahl des passenden Versicherers zur Erstellung der Sicherungsscheine
  • Auswahl eines leistungsfähigen Reiserücktritts-/-abbruchversicherers

Die wenigstens Versicherungsvermittler werden mit den gesetzlichen Regelungen und versicherungstechnischen Möglichkeiten ausreichend vertraut sein, oder praktikable Lösungen anbieten können. Es liegt daher auf der Hand, einen der wenigen „echten“ Hotelspezialisten mit Prüfung, Beratung und ggf. Beschaffung des notwendigen Versicherungsschutzes zu betrauen. Gerne unterbreiten wir Ihnen entsprechende Beratungsangebote.

 

HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN

Deckt meine bisherige Hotel-Haftpflicht-Versicherung Reiseveranstalter- bzw. -vermittlertätigkeiten ab?

Das können wir so pauschal natürlich nicht sagen. Gerne prüfen wir Ihren Versicherungsschutz und unterbreiten Ihnen bei Bedarf ein ergänzendes Angebot. Dazu übersenden Sie uns bitte Ihre Versicherungspolice einschließlich Bedingungen. Außerdem benötigen wir folgende Zahlen: Anzahl Zimmer, Jahresnettoumsatz gesamt, Jahresnettoumsatz als Reiseveranstalter/-vermittler. Für die Prüfung stellen wir Ihnen pauschal 50,00 EUR netto in Rechnung.

 

Muss ich für alle Gästeanzahlungen einen Reisepreissicherungsschein ausfertigen?

Nein. Der Gesetzgeber schreibt dies nur für Umsätze vor, die Sie als Reiseveranstalter /-vermittler tätigen.  Anzahlungen auf Klassische Hotelleistungen wie Übernachtung und Frühstück sind also nicht zu sichern. Bis 1.000.000 EUR relevante Jahresumsätze können wir über eine Pauschalpolice für 200 EUR netto p.a. absichern. Den Antrag auf eine  Reisepreis-Sicherungspolice können Sie hier downloaden.

 

Wie sieht es mit Gutscheinen und unaufgeforderten Gästeanzahlungen aus?

Es gilt das zuvor beschriebene Prinzip: Reisepreissicherungsscheine sieht der Gesetzgeber ausschließlich für Umsätze vor, die Sie als Reiseveranstalter /-vermittler tätigen. Damit kommt es also immer auf die Art der Reise an.

 

Was ist hinsichtlich von Reiserücktritt- und Reiseabbruchversicherungen zu beachten?

Ausschließlich als Reiseveranstalter/-vermittler sind Sie gesetzlich verpflichtet, mit der Buchungsbestätigung Ihrem Gast künftig die Möglichkeit zu geben, Reiserücktritt und –abbruch abzusichern. Natürlich schadet es nicht, dieses Procedere generell anzuwenden – letztlich sichern Sie sich damit Ihren Umsatz bzw. vermeiden unangenehme Diskussionen mit Gästen. Nachstehenden Link können Sie gerne auf Ihrer Website einbinden bzw. auf Bestätigungsemails verwenden. https://rechner.travelsecure.de/tarifrechner/default.aspx?productid=1&partnerid=1-8-1171. Beiliegend stellen wir Ihnen ein Antrags-PDF zur Verwendung in Papierform zur Verfügung.